Gazelle oder Wildschwein

Endlich finde ich wieder mal die Zeit, hier mal wieder etwas zu hinterlassen. Es war viel los seit dem letzten Eintrag. Den Anfang bildetete Anissa, eine Kollegin aus Kleipeda, die mich hier besuchte und auch gleich mal das volle russische Programm mitbekam. Bus fällt aus, irgendwer organisiert ne Marschrutka und ab geht die post. Inklusive Elchsichtung auf der Nehrung. Da bin ich natürlich sehr neidisch, es gibt dort nur noch sehr wenige Elche, ich hätte auch mal gerne einen gesehen.War schön Besuch zu haben, da erkundet man ja eine Stadt noch mal neu. Nach ihrem Besuch gings nach Riga, mieser Rumpelbus, ne dicke Babuschka neben mir und super gut gelaunte Grenzer um 2 Uhr morgens in Sovietsk haben die Fahrt bis Riga sehr nett umrahmt. Dort schnell in den Bus nach Tallinn, ein echter Luxusbus mit Stewardessen, Beinfreiheit, WiFi und freiem Getränk. Nur war der dann doch teurer als gedacht, denn die lettischen Lats sind nicht wie ich es gerade gewöhnt bin, günstig im Deviseneinkauf. 1 € 0,78 Lats oder so ähnlich. Tallinn ist ganz großartig, eine der schönsten Städte, die ich bis jetzt besucht habe, wirklich war. Insgesamt waren die Tage in Tallinn viel zu schnell vorbei und ich hab alles gegeben, um Estland zu verstehen. Ich habe mit Marie einen Estnischkurs besucht und kann sagen: Ma panen mütsi pähe. (Ich zieh mir die Mütze auf den Kopf, pähe=Kopf) Super komplizierte, aber auch super schöne Sprache. Eine Sprache in der 1 „ücks“ heißt, ist einfach der Hammer. Estnischen Volkstanz hab ich auch besucht und bin mehr oder minder erfolgreich mitgehüpft. Ein paar Schritte waren nicht so schwer, aber gerade die Pirouetten haben mich fertig gemacht. Ich wandelte also zwischen graziler Gazelle und dickem Pfälzer Wildschwein. Was die Esten darüber gedacht haben, war nicht zu ergründen, die sind da echte Skandinavier und halten mit Emotionen eher hinterm Berg. Erwähnung sollte auch noch das KuMu und eine spanische Party finden. Das KuMu ist eines der besten Museen, in denen ich bis jetzt war, wirklich. Da passt alles, Architektur, Exponate, Räume, Arrangements, einfach alles, ein perfektes Museum. Bin auch auf der zugefrorenen Ostsee spazieren gegangen und auch mit dem rechten Fuß eingebrochen, da Marie die tolle Idee hatte, ein Selbstauslöserfoto zu machen und ich meine Kamera auf einen Stein legen sollte. Leider ist das Eis ja bekanntlich um Steine herum nich so dick. Und Brezeln hab ich mitgebacken. Am letzten Abend dann spanische Erasmusparty, ein wahrer Kulturschock nach all den zurückhaltenden Esten auf Jose, Carmen, Fernando, Pedro und noch ein paar zu treffen. Sofort gabs Tortilla, Chourizo, Wein und Pan de Plastico. Riesen Lärm, eine fast weinende Carmen, die sich über die Esten beschwert und wie sehr das ihrer Latinaseele weh tut, diese Kälte und Zurückhaltung. Dann wurde auch noch ein Video mit mir beim Jamon schneiden gedreht. Für die Oma in Andalusia, weil der Deutsche den Jamon immerhin Fino schneiden konnte, besser als die Spanier. Hätt ich damals in Madrid mal nur das „Super-Fino“ Diplom gemacht….
Auf dem Rückweg hab ich dann noch einen Zwischenstopp in Riga eingelegt und mir diese Stadt auch noch mal zu Gemüte geführt. Darüber erzähle ich ein Ander mal.
Zum Schluss noch ein Estnisches Gedicht:

Triibuline jakk
Ja triibulised püksid
Triibulist kostüümi
Sebra kannab üksi

see on nii, sest sebra
tunneb hästi moodi
ja et triiburiie
toodi riidepoodi

Ahvilapsed puudel
Naerust krambid saavd
Päise päeva ajal
Kannab see pidzaamat
Mein Favorit ist „Ahvilapsed puudel” = “Die Affenkinder”

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Zur Oberbürgermeisterloge bitte

Den Satz durfte ich heute sagen. War zum Konzert im Theater geladen, das grandiose Sinfonie Orchester von Arkadie Feldmann spielte nachträglich zum Frauentag. Für mich gabs ne Freikarte auf Sitz Nr. 1 in der Oberbürgermeisterloge, he he, das hat mir natürlich getaugt und bin gleich mal 10 cm gewachsen. Man hat extra ne Tür für uns aufgeschlossen. Wenn die wüssten, wer sich da eingeschlichen hatte. Ich wollte dann eigentlich Schabernack treiben, einschlafen, Kaugummiblasen machen oder Fingernägel schneiden, ich wurde aber von meinen Begleitern leider erfolgreich daran gehindert :-(. Leider gabs auch keinen Logenservice. Dafür 15 Mobiltelefonanrufe während des Konzerts. Das waren exat alle 10 min einer, da sind die hier schmerzlos. Egal, schee wars trotzdem. Ein wunderschönes Wort übrigens Oberbürgermeisterloge.

Hass/Liebe

Sachen die ich hasse:
Feldsalat putzen, zu Hause hat das immer mein Vater als Küchensklave erledigt. Ne ganz miese Arbeit.
Leute um sechs einladen und der letzte kommt um 9:30
Blumen für den blöden Frauentag kaufen und dann macht man die Plastikfolie ab und sie zerfallen in ihre Einzelteile.
Morgens zum Geschäft stolpern müssen, weil die Russen alles Wasser für Tee aufgebraucht haben und schon wieder nach Neuem schreien
Aus dem Geschäft stolpern und merken, dass man alles gekauft hat, nur kein Wasser.
Mit 12 Liter Wasser auf Eis ausrutschen.
In Russland Wein kaufen. Die schreiben hier nen ungefähren Alkoholgehalt drauf, 11-12.5 % zum Beispiel. Versteh ich nicht. Und mies ist der….
Den Dreck auf der Straße
….

Dinge , die ich mag
Wildschwein kochen und verzehren
Wildschwein für neue Freunde kochen
„Reue“, ein georgischer FIlm, den wir gestern gesehen haben
Die 7. Klasse im Lyzeum
Genia
Das Meer, mittlerweile sieht man auch wieder Strand
Bernstein am Strand finden
….

Heute ist das nordische Filmfest zu Ende gegangen, war ganz nett. „Norden“ lief heute, war ganz ansehnlich. „Sauna“ hingegen ist nicht zu empfehlen. Ein finnischer Horrorfilm, kommt aber bei ähnlichem Setting nicht an „Antichrist“ ran. Der Frauentag setzt mich hart unter Druck. Ich hab jetzt schon verloren, weil ich mich weigere, im Vorraus Blumen zu verschenken. Das bringt ja Unglück. In Russland nich, die haben ne eigene Vokabel, um im Vorrraus zu Gratulieren. Die spinnen und die Blumenverkäufer schießen aus dem Boden und verlangen Apothekenpreise. Da ich ja auch an zwei Schulen mit 100.000 Frauen konfrontiert bin, weis ich gar nicht, wie ich das alles machen soll. aaaahhhhaaaa, das überfordert mich, auch finanziell. Ideen und Spenden sind erwünscht. Man darf in Russland übrigens nur eine ungerade Anzahl von Blumen schenken, eine gerade Anzahl ist nur für Tote auf dem Friedhof. Also lieber zweimal nachzählen. Ach und Hose, Brille und Schere ist im russischen immer Plural, weil es gibt ja immer zwei Beine, Gläser oder Klingen. Geile Logik.

Politik macht auch Spaß

Heute im Rahmen eines Interviews meiner Lieblings 7. mit unserem Konsul im Konsulat. War echt ne runde Sache und viel lockerer, als ich erwartet hatte. Ich hätte mich gar nicht rasieren brauchen. Gummibärchen gabs auch (Special Haribo Auswärtiges Amt Version) Mein Reiseführer nimmt so langsam Gestalt an, auch wenn noch viel zu tun ist. Im Moment ist auch Nordisches Filmfestival hier, mit englischen Untertiteln und russischen Übertiteln, große Nr. Geschneit hats auch wieder, der Frühling braucht wohl noch ein wenig…..

Dark City Nights

Am Freitag war ich erst mal auf ner Elektroparty eingeladen, die war aber eher experimentell, also ich sach euch, Venetian Snares sind Kindergarten dagegen. Aber der Abend sollte kein Ende nehmen, irgendwie liesen wir uns durch die Stadt treiben, zum Hafen und immer weiter, bis die Sonne den neuen Tag einstimmte und die Strassenkehrer den Alten wegfegt hatten. Auf dem Sackheimer Tor hab ich gestanden. Heute ist Sonne und Fruehling angesagt hoffentlich bleibts so. Nur braucht man jetzt ein Schlauchboot um durch die Stadt zu wandeln.

Dont worry be Happy

Petersburg hat gerockt, wirklich. Die Hinfahrt nicht unbedingt, ich wär zuerst mal beinahe nach Georgien gedüst, hab das falsche Terminal gewählt. Dann hab ich in Petersburg zwar die Str. des Hostels gehabt, aber Sovietskayas gibt’s dort 10 Stück. Hab dann auch erstmal alle verpasst und bin alleine auf Tour, war in der Ermitage, was alleine und Freitagabends eh ne gute Idee ist. Hat sich sehr gelohnt, gerade Van Gogh und Matisse haben mich schwer berührt. Abends waren dann alle Verdächtigen versammelt und nach etwas dubiosen ukrainischen Kuchen gings in ne Bar, Datscha, schöne Musik, Kicker, tätowierte Türsteher und ganz nette Leute sorgten für einen super ersten Abend. Bis auf die zwei Typen, die Streit suchten. Vor allem Sven hatten sie im Visier. Dann wurden sie an der Bar frech, Musik ging aus, Türsteher kamen rein, zwei drei Sätze und dann knockte der Ex Knasti Türsteher einen mit nem Handkantenschlag aus und schleifte ihn an der Hose nach draußen. So nen Schlag hat mir der Kühn noch nicht beigebracht. Stimmung etwas down, was spielt der Dj? Dont worry be Happy, super, echt wahr. Am nächsten Morgen erstmal spät losgekommen. War aber jetzt für mich nicht so tragisch, -27 Grad und Wind laden nur bedingt zu Städtetouren ein. Hat trotzdem Spaß gemacht, abends noch MarktscheiderKunst in ner Tanzschule gesehen, mit den selben Türsteher von Freitag übrigens. Sonntag war noch mal ein wenig Besichtigung angesagt, bei viel Schnee. Dann war auch schon alles wieder rum und der Seelenkater vor der Tür, denn langsam geht hier alles zu Ende, dabei fühle ich mich gerade jetzt irgendwie am wohlsten. Noch ein paar Worte zu Petersburg, Es ist noch Suppe da, SUPPE DA. DanielaRRR, Traveller sind schon auch ein eigenes Volk, Sagt mir bescheid, wenn meine Nase weiß wird, dann stirbt die. Bescheid!!!
Wir feiern Marschrutka.